E 962, Wirbelschicht-Trocknung und Food-RegTech
15.09.2026
Die EFSA sieht beim Salz von Aspartam und Acesulfam unter den derzeit berichteten Verwendungen kein Sicherheitsproblem, empfiehlt jedoch angepasste Reinheitsanforderungen. Lesaffre ergänzt seine europäische Lohntrocknung um Wirbelschichttechnik. In Italien verbindet Biorsaf durch die Übernahme von Cooki künftig HACCP, Qualität, Rückverfolgbarkeit, Nährwertdaten und Kennzeichnung in einer Plattform.
E 962: Sicherheitsbewertung abgeschlossen, Spezifikationen unter Zugzwang
Die EFSA hat die Neubewertung des Salzes von Aspartam und Acesulfam (E 962) abgeschlossen. Der Süßstoff zerfällt nach der Aufnahme in Aspartam und Acesulfam. Für die derzeit berichteten Verwendungen und Einsatzmengen sieht das zuständige Panel weder bei E 962 noch bei seinen beiden Komponenten ein Sicherheitsproblem. Die Expositionsschätzungen lagen in allen untersuchten Altersgruppen unter den akzeptablen täglichen Aufnahmemengen von 40 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag für Aspartam sowie 15 Milligramm für Acesulfam K [1].
Der Abschluss der Bewertung enthält dennoch einen konkreten Handlungsimpuls für das Risikomanagement. Die EFSA empfiehlt, die EU-Spezifikation für E 962 an die aktuellen Anforderungen für die Ausgangsstoffe E 950 und E 951 anzupassen. Für Aspartam sollen außerdem die Grenzwerte für Arsen und Blei überprüft werden. Eine Unsicherheit betrifft die mögliche Verunreinigung von Acesulfam K mit 5-Chlor-Acesulfam und fehlende experimentelle Daten zu deren Genotoxizität. Nach Bewertung der EFSA verändert diese Datenlücke das Gesamtergebnis nicht [1].
Für Hersteller folgt daraus noch keine Änderung der zulässigen Anwendungen oder Höchstmengen. Die EFSA liefert die wissenschaftliche Bewertung; über eine Änderung der rechtlichen Spezifikation entscheidet die Europäische Kommission. Bis dahin bleiben die Zulassungsbedingungen der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 und die geltenden Reinheitskriterien der Verordnung (EU) Nr. 231/2012 maßgeblich [2][3]. Technisch relevant wird der Vorgang bereits für die Lieferantenqualifizierung: Wer E 962 oder Aspartam einsetzt, sollte Spezifikation, Analysenzertifikat und vertragliche Change Notification so aufsetzen, dass mögliche neue Grenzwerte ohne Bruch zwischen Rohstofffreigabe und Fertigproduktbewertung übernommen werden können.
Lesaffre: Wirbelschicht erweitert die Lohntrocknung in Straßburg
LIS by Lesaffre integriert den Standort Lesaffre Culinary Strasbourg in sein europäisches Trocknungsnetz und installiert dort neue Wirbelschichttechnik. Der vorhandene Box-Trockner bringt nach Unternehmensangaben eine Kapazität von rund 4.000 Tonnen pro Jahr ein. Zusammen mit den Standorten Cérences in Frankreich und Legnica in Polen deckt LIS damit Entwicklungstests im Labor- und Pilotmaßstab bis zur industriellen Lohnproduktion ab [4].
Die neue Anlage erweitert den Prozessschritt nach der eigentlichen Trocknung. Lesaffre nennt intensive Granulation zur Verbesserung von Dispergierbarkeit, Fließfähigkeit und Kompressibilität, das Beschichten zum Schutz von Wirkstoffen, Co-Trocknung für die genaue Dosierung eines Stoffes auf einem Träger und Nachtrocknung zur Einstellung des Wassergehalts [4]. Für Zutatenhersteller ist das mehr als zusätzliche Trocknungskapazität: Partikelaufbau und Oberflächeneigenschaften können Dosierverhalten, Staub, Löslichkeit, Tablettierbarkeit, Stabilität und Freisetzung mitbestimmen.
Bei einem Wechsel zu einem solchen Lohnprozess reicht deshalb ein Vergleich der chemischen Leitspezifikation nicht aus. Partikelgrößenverteilung, Schüttdichte, Wasseraktivität, Rehydrierung, Homogenität und gegebenenfalls die Freisetzung eines beschichteten Stoffes werden zu chargen- und anwendungsrelevanten Freigabemerkmalen. Lesaffre hat weder Investitionssumme und Inbetriebnahmedatum noch validierte Leistungsfenster der neuen Wirbelschicht veröffentlicht. Die konkrete Eignung für Lebensmittel- oder Nahrungsergänzungsmittelanwendungen bleibt daher produkt- und prozessbezogen zu qualifizieren.
Biorsaf übernimmt Cooki: Compliance-Daten rücken an die Rezeptur
Das italienische Food-RegTech-Unternehmen Biorsaf hat eine Finanzierungsrunde über 5,2 Millionen Euro abgeschlossen und Cooki übernommen. Geführt wurde die Runde von P101; beteiligt sind unter anderem Maia Ventures, Farming Future und Toscana Next. Cooki bringt nach den veröffentlichten Angaben mehr als 1.000 aktive Nutzer und eine Datenbank mit 35.000 codierten Lebensmitteln ein. Zusammen kommen beide Systeme auf mehr als 11.000 aktive Nutzer [5][6].
Die fachliche Relevanz liegt in der Datenarchitektur. Biorsaf digitalisiert bislang vor allem HACCP, Qualität, Arbeitssicherheit und Wasserhygiene. Cooki ergänzt Rückverfolgbarkeit, Rezepturen, Nährwerte, Allergene, Kennzeichnung, Lager und Food Cost [5][6]. Damit können dieselben Rohstoff- und Rezepturdaten künftig operative Kontrollen, Kennzeichnung und Kalkulation speisen. Das senkt Medienbrüche, erhöht zugleich aber die Tragweite jeder fehlerhaften Stammdatenänderung.
Für Hersteller und Gastronomiesysteme entscheidet deshalb weniger die Zahl der Funktionen als die kontrollierte Datenführung. Quellenstatus, Freigaberollen, Versionshistorie und die Verbindung zwischen Rezepturstand, Nährwertberechnung, Allergeninformation und Artwork müssen auch bei automatisiert erstellten Dokumenten nachvollziehbar bleiben. Biorsaf kündigt den Ausbau einer KI-gestützten Plattform sowie weiteres Wachstum durch Zukäufe an [5]. Kaufpreis für Cooki, technischer Integrationsplan, Schnittstellen und Verfahren zur fachlichen Validierung KI-generierter Inhalte wurden nicht veröffentlicht. Aussagen zu Reichweite, Nutzerzahlen und Einsparungen sind Unternehmens- und Investorenangaben.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag, Ihr Andreas Gebhart
Quellen
Alle Quellen zuletzt geprüft und abgerufen am 14. September 2026.
- EFSA: Re-evaluation of salt of aspartame-acesulfame (E 962), 10.09.2026.
- VO (EG) Nr. 1333/2008, Art. 4 und Anhang II.
- VO (EU) Nr. 231/2012, Art. 1 und Anhang.
- Lesaffre: New drying capacity and technologies in Strasbourg, Unternehmensmitteilung vom 10.09.2026.
- CDP Venture Capital: Biorsaf closes €5.2m round and acquires Cooki, Investorenmitteilung vom 10.09.2026.
- Biorsaf: Acquisition of Cooki and financing round, Unternehmensmitteilung vom 10.09.2026.
Hinweis: Diese Meldungen dienen der fachlichen Einordnung und ersetzen keine rechtliche, toxikologische, technologische oder produktspezifische Einzelfallprüfung. Bild: KI.generiert
Von der ersten Idee bis zur Markteinführung.
