Brazzein-Scale-up, Aflatoxin B1 und Prozesswärme
25.09.2026
Eine neue Produktionslinie soll süßes Protein erstmals in dreistelliger Tonnenmenge verfügbar machen, der europäische Marktzugang folgt daraus jedoch nicht. In Österreich zeigt eine Schwerpunktaktion einen einzelnen, aber gesundheitlich relevanten Aflatoxin-B1-Befund. Lesaffre verbindet am Fermentationsstandort Straßburg Wärmerückgewinnung, Wärmepumpen und Reststoffnutzung.
Bestzyme: 100-Tonnen-Linie trifft auf offenen EU-Marktzugang
Bestzyme hat im chinesischen Jinan eine automatisierte Produktionslinie für Brazzein fertiggestellt. Das süß schmeckende Protein kommt natürlich in der westafrikanischen Pflanze Pentadiplandra brazzeana vor; Bestzyme erzeugt eine Brazzein-Zubereitung durch Präzisionsfermentation. Die neue, 5.000 Quadratmeter große Anlage umfasst nach Unternehmensangaben Fermentation, Reinigung und Gefriertrocknung. Sobald sie vollständig in Betrieb ist, soll ihre Jahreskapazität mehr als 100 Tonnen erreichen und innerhalb von zwei Jahren verdoppelt werden. Bestzyme bezeichnet sie als weltweit erste kommerzielle Linie, die ausschließlich für süße Proteine ausgelegt ist [1]. Diese Einordnung sowie Angaben zu Ausbeute, Kosten und Leistungsfähigkeit sind Unternehmensangaben und bislang nicht unabhängig validiert.
Der Schritt ist dennoch mehr als eine Kapazitätsankündigung. Bei hochintensiven Proteinsüßstoffen lagen die Engpässe bisher nicht nur in der Stammentwicklung, sondern auch in Fermentationsausbeute, Abtrennung, Reinigung und reproduzierbarer Produktqualität. Eine integrierte Linie kann die Verfügbarkeit für Anwendungsentwicklung und größere Produktserien verändern. Sie beantwortet aber noch nicht, in welchen Märkten und unter welchen Spezifikationen der konkrete Stoff eingesetzt werden darf.
Für die USA führt die FDA die Bestzyme-Zubereitung als GRAS Notice 1207. Sie wird mit Aspergillus oryzae 90402 hergestellt und ist zur Verwendung als Süßungsmittel unter Bedingungen der guten Herstellungspraxis vorgesehen. Die FDA teilte mit, dass sie zu der GRAS-Schlussfolgerung des Unternehmens derzeit keine Fragen hat [2]. Das ist keine FDA-Zulassung und lässt sich nicht auf die EU übertragen.
In der EU sind Stoffe, die Lebensmitteln einen süßen Geschmack verleihen, funktionell Süßungsmittel. Lebensmittelzusatzstoffe dürfen nur verwendet werden, wenn sie zugelassen und mit ihren Verwendungsbedingungen in der Unionsliste aufgeführt sind [3][4]. Ein eigener Brazzein-Eintrag ist dort derzeit nicht erkennbar. Vor einer Beschaffungs- oder Rezepturentscheidung müssen daher die konkrete technologische Funktion, Herstellidentität, Spezifikation und der einschlägige Zulassungsweg geklärt werden. Produktionskapazität und US-GRAS-Status ersetzen diese Prüfung nicht.
AGES: Aflatoxin B1 in einer Vollkornreiswaffel
Die österreichische Lebensmittelkontrolle hat 17 Getreidewaffel-Proben auf Mykotoxine sowie Reiswaffeln zusätzlich auf Arsen untersucht. Eine Probe Vollkornreiswaffeln überschritt den Höchstgehalt für Aflatoxin B1 und wurde als gesundheitsschädlich beurteilt. Die übrigen 16 Proben wurden nicht beanstandet [5]. Die kleine Stichprobe erlaubt keine Hochrechnung auf den Gesamtmarkt. Der Befund ist trotzdem operativ relevant, weil bei Reiswaffeln häufig das Arsenrisiko im Vordergrund steht, während Mykotoxine entlang von Rohstoffherkunft, Ernte, Trocknung und Lagerung ein eigenständiges Gefahrenprofil bilden.
Die Verordnung (EU) 2023/915 legt produktspezifische Höchstgehalte für Kontaminanten fest [6]. Für Hersteller und Eigenmarkenverantwortliche sollte daraus kein pauschales Mehr an Analytik folgen. Entscheidend ist ein risikobasiertes Kontrollkonzept, das Getreideart, Herkunft, Lieferant, Erntebedingungen, Verarbeitung und Zielgruppe verbindet. Eine Freigabe allein anhand von Arsenwerten würde das Kontaminantenprofil von Reiswaffeln unvollständig abbilden.
Lesaffre: Prozesswärme aus Strom, Rückgewinnung und Restströmen
Lesaffre, die ÉS-Gruppe und Dalkia starten am Straßburger Hefe- und Fermentationsstandort das Projekt R2E. Vorgesehen sind Wärmerückgewinnung, Hochleistungs-Dampf-Wärmepumpen und die energetische Nutzung industrieller Restströme. Das System soll 168 Gigawattstunden CO₂-arme Wärme erzeugen; bis zu 68 Gigawattstunden könnten in Straßburger Wärmenetze fließen. Für den Standort nennt Lesaffre eine Dekarbonisierung der Wärme um 98 Prozent, jährlich 35.700 Tonnen vermiedene CO₂-Emissionen und mehr als 40 Prozent weniger Brunnenwasserverbrauch [7].
Die Meldung zeigt, dass die Dekarbonisierung fermentationsbasierter Produktion stärker als integrierte Prozessaufgabe behandelt wird. Wärmequellen, Temperaturniveaus, Verdampfung, Wasserführung und externe Abnahme müssen gemeinsam ausgelegt werden. Die genannten Werte sind Projektziele; Investitionssumme, Fertigstellungstermin und gemessene Betriebsdaten wurden nicht veröffentlicht. Ob sich das Konzept auf andere Fermentationsstandorte übertragen lässt, wird sich deshalb erst nach der Umsetzung beurteilen lassen.
Ihr Andreas Gebhart
Quellen
Alle Quellen zuletzt geprüft und abgerufen am 24. September 2026.
- Bestzyme: Dedicated sweet protein production line in Jinan, 17.09.2026.
- FDA: GRAS Notice 1207 – Brazzein preparation produced by Aspergillus oryzae 90402, Abschluss 10.04.2025, korrigiertes Antwortschreiben 23.05.2025.
- VO (EG) Nr. 1333/2008, Art. 3–5, 10 und Anhänge I–II.
- EU-Kommission: EU rules on food additives, geprüft am 24.09.2026.
- AGES: Mykotoxine und Arsen in Getreidewaffeln, 23.09.2026.
- VO (EU) 2023/915, Art. 2 und Anhang I.
- Lesaffre: R2E project at the Strasbourg site, 23.09.2026.
Hinweis: Diese Meldungen dienen der fachlichen Einordnung und ersetzen keine rechtliche, toxikologische, technologische oder produktspezifische Einzelfallprüfung. Bild: KI-generiert.
Von der ersten Idee bis zur Markteinführung.
