Neues PP-Klärmittel und flexible Prozesswärme
Aug 21, 2026
FOOD ESSENTIALS · INSIGHTS / NEWS
Neues PP-Klärmittel und flexible Prozesswärme
Ein positives EFSA-Votum für Lebensmittelkontakt und ein Elektrifizierungsprojekt in der Molkeverarbeitung
Ein neues EFSA-Votum ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur EU-Zulassung eines Klärmittels in Polypropylen. Arla Foods Ingredients zeigt zugleich, wie sich Prozesswärme in einer Molkenproteinproduktion elektrifizieren lässt und die bestehende Dampfversorgung als zweiter Wärmepfad erhalten bleibt.
EFSA bewertet neues Klärmittel für Polypropylen
Die EFSA hat erstmals den Stoff mit der FCM-Nummer 1100 und der CAS-Nummer 2649373-38-4 bewertet. Er ist als Klärmittel für Polypropylen-Homo- und -Copolymere vorgesehen. Das Gremium sieht bei einer Einsatzmenge von höchstens 0,08 Gewichtsprozent kein Sicherheitsrisiko für Verbraucherinnen und Verbraucher, sofern die geprüften Kontaktbedingungen und Ausschlüsse eingehalten werden [1].
Die Bewertung deckt Einweg- und Mehrweganwendungen mit Kontaktzeiten bis zu sowie über sechs Monate bei Raumtemperatur oder darunter ab, einschließlich Heißabfüllung und zeitlich begrenzter Erwärmung zwischen 70 und 100 °C. Ausgenommen sind Lebensmittel und Getränke mit mehr als zehn Prozent Ethanol sowie Säuglingsanfangsnahrung, rekonstituierte Säuglingsanfangsnahrung und Muttermilch. Die Migration des Stoffes lag in zehnprozentigem Ethanol unter der Bestimmungsgrenze von 0,05 mg/kg Lebensmittel; für Olivenöl schätzte die EFSA Werte bis 0,031 mg/kg. Für Trans-Isomere wurden bis zu 0,0006 mg/kg abgeschätzt. Auf Basis der vorgelegten In-vitro-Daten sowie ergänzender In-silico- und Literaturdaten sah das Gremium weder für den Stoff noch für die bewerteten Isomere und relevanten Verunreinigungen einen Anlass für Genotoxizitätsbedenken [1].
Für Verpackungsentwicklung und Regulatory ist die Trennung zwischen Sicherheitsbewertung und Marktzugang entscheidend. Die EFSA-Stellungnahme ist ein notwendiger Verfahrensschritt nach der Rahmenverordnung, aber keine eigenständige Zulassung [2]. Für eine Verwendung als geregelter Kunststoffadditivstoff ist die Aufnahme in die Unionsliste des Anhangs I der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 maßgeblich [3]. Zum Redaktionsschluss war der Stoff dort nicht ausgewiesen. Eine Materialfreigabe kann sich deshalb noch nicht allein auf das positive EFSA-Votum stützen.
Sobald eine Aufnahme erfolgt, bleiben die konkrete Stoffidentität, die maximale Dosierung, die vorgesehenen Kontaktbedingungen und die Ausschlüsse Teil der Konformitätsbewertung. Das Votum ist damit kein pauschales Signal für jedes geklärte PP. Relevant wird es vor allem für transparente PP-Verpackungen und Mehrwegartikel, bei denen Lieferantendokumentation und vorgesehene Verwendung exakt mit den späteren Zulassungsbedingungen übereinstimmen müssen.
Arla: Prozesswärme wird preis- und netzflexibel
Arla Foods Ingredients hat nach einem Bericht vom 19. August ein Investitionsprojekt über 8,3 Millionen Euro am Standort Danmark Protein in Videbæk abgeschlossen. Der Standort verarbeitet Molke zu Protein- und weiteren Milchinhaltsstoffen. Im Produktionsturm 4 kann die Wärmeversorgung nun zwischen dem vorhandenen Dampfsystem und einem neuen elektrischen Erhitzer wechseln. Nach Unternehmensangaben soll die Lösung den jährlichen CO2-Ausstoß um rund 2.500 Tonnen senken; der Turm könne voraussichtlich während 23 Prozent der Betriebszeit vollständig mit erneuerbarem Strom betrieben werden [4].
Der technische Kern liegt in der schaltbaren Kombination zweier Wärmepfade. Die bestehende Dampfversorgung bleibt als Versorgungspfad erhalten und wird durch direkte elektrische Wärmeerzeugung ergänzt. Arla verbindet damit Versorgungssicherheit mit der Möglichkeit, Strom verstärkt in Zeiten hoher Wind- und Solarstromerzeugung und niedriger Preise einzusetzen. Für den Produktionsturm 5 wird eine vergleichbare Umrüstung geplant. Soll sie umgesetzt werden, beziffert das Unternehmen die gemeinsame jährliche CO2-Einsparung beider Projekte auf bis zu 5.200 Tonnen [4]. Sämtliche Einsparungs- und Betriebsangaben sind Unternehmensschätzungen; Messdaten aus dem laufenden Betrieb wurden nicht veröffentlicht.
Das Projekt ergänzt eine breitere Energiearchitektur am selben Standort. Für eine separate Wärmepumpenanlage beschreibt Arla Foods Ingredients eine Auslegung von 2,8 MW elektrischer Leistung zu 8 MW Wärme und 5,7 MW Eiswasser. Die Wärme soll in ein 90-°C-Netz für unter anderem Cleaning-in-Place, Wärmebehandlung und die Vorwärmung von Luft für Sprühtrocknungstürme eingespeist werden [5]. Anders als der elektrische Erhitzer nutzt diese Anlage gleichzeitig Wärme- und Kältebedarfe; beide Ansätze adressieren daher unterschiedliche Temperaturniveaus und Lastprofile.
Für Hersteller energieintensiver Zutaten verschiebt sich die Investitionslogik damit von einer einzelnen Wärmeerzeugungsanlage zu einem steuerbaren System aus Dampf, direkter Elektrifizierung, Wärmerückgewinnung und gegebenenfalls Wärmepumpe. Wirtschaftlich relevant sind nominelle Wirkungsgrade ebenso wie Anschlussleistung, Strombeschaffung, Lastverschiebung, Redundanz und die Einbindung in bestehende Prozessleittechnik. Das Videbæk-Projekt ist ein industrielles Signal. Für einen übertragbaren Kostenbenchmark fehlen Energiepreise, Amortisationszeit und produktionsbezogene Verbrauchsdaten; Arla hat diese Angaben nicht veröffentlicht.
Viele Grüße, Ihr Andreas Gebhart
Hinweis: Diese Meldungen dienen der fachlichen Einordnung und ersetzen keine rechtliche oder technische Einzelfallprüfung. Bild: KI-generiert.
Quellen
- EFSA: FCM-Stoff Nr. 1100, 14.08.2026.
- Verordnung (EG) Nr. 1935/2004, Art. 8–11: EUR-Lex.
- Verordnung (EU) Nr. 10/2011, Art. 5 und Anhang I: EUR-Lex.
- FoodBev Media: Elektrifizierung bei Danmark Protein, 19.08.2026.
- Arla Foods Ingredients: Wärmepumpenprojekt in Videbæk, abgerufen am 20.08.2026.
Ready for sustainable solutions?
